Schriftkunde
Die deutsche Schreibschrift
Du hast einen alten Brief, eine Postkarte oder ein Tagebuch gefunden und erkennst kaum einen Buchstaben? Das ist meist die deutsche Kurrentschrift — über vierhundert Jahre lang ganz gewöhnlich, heute für die meisten ein Rätsel. Diese Seite erklärt in Ruhe, was das ist, wie es funktioniert und warum wir heute nicht mehr so schreiben.
Vom frühen 16. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Kurrent die allgemeine Verkehrs- und Geschäftsschrift des deutschen Sprachraums. Diese Seite gibt einen knappen, durchweg belegten Überblick über ihre Formen, ihr Werkzeug und ihre Geschichte; für die Tiefe führen die Quellen weiter. Das Projekt selbst beginnt bei drei Ausgangsschriften: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher.
Grundbegriffe
Lineatur
Vier Linien — Oberlinie · Mittellinie · Grundlinie · Unterlinie — bilden drei Zonen: Oberlänge · Mittellänge · Unterlänge. Die Verhältnisse sind in DIN 16552-1 genormt.
Schräglage
Der Neigungswinkel wird zur Grundlinie gemessen: 90° heißt senkrecht, kleinere Werte heißen stärker nach rechts geneigt.
Schwellzug & Gleichzug
Unter Druck schwillt der Strich der elastischen Spitzfeder an — dünne Aufstriche, dicke Abstriche (Schwellzug). Die Gleichzugfeder hält überall dieselbe Strichstärke (Gleichzug).
Quellen: Wikipedia: Lineatur · Wikipedia: Schreibschrift · Wikipedia: Schreibfeder
Die drei Schriften
Kurrent
frühes 16. Jh. – 1941
Schriftprobe auf der Webseite: Schauschrift-Font (GL-GermanCursive)
Über Jahrhunderte die allgemeine Gebrauchsschrift — ohne einheitlichen Duktus, sondern mit regional und zeitlich verschiedenen Schulvorschriften.
- Schräglage: ~45–75° zur Grundlinie (90° = senkrecht); um 1900: 60–70°
- Lineatur: 2 : 1 : 2 (große Ober-/Unterlängen)
- Feder: ab dem 19. Jh. Spitzfeder
- Strich: Schwellzug (druckabhängig)
Der Wert 60–70° um 1900 nach Süß (2002).
Quellen: Wikipedia: Deutsche Kurrentschrift · Schulmuseum Ottweiler: Vorschriften & Musterbücher
Sütterlin
entworfen 1911 · Schulschrift ~1915–1941
Schriftprobe auf der Webseite: das Wort „sütterlin“ — live geschrieben aus der gemeinfreien Sütterlin-Ausgangsschrift von 1922 — die Synthese-Engine des Projekts
Ludwig Sütterlins bewusst aufrechte, vereinfachte Ausgangsschrift für den Schreibunterricht. Heute heißt umgangssprachlich fast jede Kurrent „Sütterlin“ — gemeint ist aber nur diese eine, späte Variante.
- Schriftlage: senkrecht (90° zur Grundlinie)
- Lineatur: 1 : 1 : 1
- Feder: Gleichzugfeder (Kugelspitz-/Redisfeder)
- Strich: Gleichzug (kein Druckwechsel)
Quellen: Wikipedia: Sütterlinschrift
Offenbacher
entworfen 1927 von Rudolf Koch
Schriftprobe auf der Webseite: Ausschnitt der Offenbacher-Schrifttafel von Rudolf Koch (1928): die Kleinbuchstaben a–f — Originaltafel von Rudolf Koch, 1928 (Ausschnitt). Gemeinfreie Originaltafel: Rudolf Koch: Die Offenbacher Schrift (1928), Wikimedia Commons (gemeinfrei)
Ein künstlerischer Gegenentwurf zur pädagogisch gedachten Sütterlin. Als allgemeine Schulschrift setzte sie sich nicht durch.
- Schräglage: 75–80° zur Grundlinie (90° = senkrecht)
- Lineatur: 2 : 3 : 2 (auch 3 : 4 : 3), mittenbetont
- Feder: Band-/Breitfeder, Federkante 15–20° zur Schreiblinie (der Federwinkel — nicht die Schräglage)
- Strich: richtungsabhängiger Bandzug
Quellen: Wikipedia: Offenbacher Schrift · Klingspor-Museum Offenbach: Rudolf Koch · Rudolf Koch: Die Offenbacher Schrift (1928), Wikimedia Commons (gemeinfrei)
Kennwerte (maschinenlesbar)
Winkel in Grad zur Grundlinie (90 = senkrecht); Lineatur = Oberlänge : Mittellänge : Unterlänge; Federwinkel = Winkel der Federkante zur Schreiblinie, nicht die Schräglage.
[
{
"id": "kurrent",
"name": "Kurrent",
"period": "frühes 16. Jh. – 1941",
"slantDeg": [45, 75],
"slantAround1900Deg": [60, 70],
"lineature": [2, 1, 2],
"pen": "Spitzfeder",
"stroke": "Schwellzug",
"sources": [
"https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kurrentschrift",
"https://schulmuseum-ottweiler.net/magazin/buchstabentabellen-vorschriften-und-musterbuecher"
]
},
{
"id": "suetterlin",
"name": "Sütterlin",
"period": "entworfen 1911 · Schulschrift ~1915–1941",
"slantDeg": [90, 90],
"lineature": [1, 1, 1],
"pen": "Gleichzugfeder",
"stroke": "Gleichzug",
"sources": [
"https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCtterlinschrift"
]
},
{
"id": "offenbacher",
"name": "Offenbacher",
"period": "entworfen 1927 von Rudolf Koch",
"slantDeg": [75, 80],
"lineature": [2, 3, 2],
"lineatureAlt": [3, 4, 3],
"pen": "Breitfeder",
"penAngleDeg": [15, 20],
"stroke": "Bandzug",
"sources": [
"https://de.wikipedia.org/wiki/Offenbacher_Schrift",
"https://www.offenbach.de/microsite/klingspor_museum/bibliothek/Rudolf-Koch.php",
"https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rudolf_Koch_Die_Offenbacher_Schrift_1928.pdf"
]
}
]
Die Buchstaben selbst — geschrieben und als Original-Ausschnitt — sind auf der Tafel-Seite maschinenlesbar verlinkt: Buchstaben für Maschinen.
Einordnung & Abgrenzung
Was diese Schrift eigentlich ist — und wie sie sich von dem unterscheidet, was man anderswo schrieb.
- Deutsch oder lateinisch — Die Kurrent ist eine gebrochene, eckige Schrift aus der gotischen Tradition. Ihr Gegenstück ist die runde, lateinische Schreibschrift — die englische Copperplate ist deren bekannteste Ausprägung. Eckig-gebrochen gegen rund-geschwungen: daran erkennt man einen deutschen und einen englischen Brief desselben Jahres auf den ersten Blick.
- Beide zugleich gelernt — Deutschsprachige lernten zwei Schreibschriften nebeneinander — die Kurrent fürs Deutsche, die lateinische für Fremdwörter und fremde Namen. In ein und demselben Brief konnte die Schrift mitten im Satz wechseln.
- Druck oder Hand — Die kantige Fraktur ist eine gedruckte Schrift, die Kurrent ihre handgeschriebene Schwester desselben Zeitraums. „Altdeutsche Schrift“ meint beides zusammen — ein Sammelbegriff, kein Fachwort.
Quellen: ad fontes (Univ. Zürich): Bastarda und gotische Kursive · Wikipedia: Schreibschrift · Wikipedia: Englische Schreibschrift · Wikipedia: Lateinische Ausgangsschrift · Wikipedia: Fraktur
Wo wurde so geschrieben
Die Kurrent war die Schrift des gesamten deutschen Sprachraums — ihr Ende verlief aber in jedem Land anders. Auch deshalb sehen alte Briefe je nach Herkunft verschieden aus.
- Deutschland — Bis zum Lehrverbot 1941 die allgemeine Schrift; ab 1915 in Preußen, in den übrigen Ländern erst um 1930, löste die Sütterlin in den Schulen die ältere Kurrent ab.
- Österreich — Lehrte bis 1938/39 die traditionelle Kurrent als erste Schrift — nicht die preußische Sütterlin. Nach 1945 nur noch selten als Zweitschrift.
- Schweiz — Gab die Kurrent zwischen 1890 und 1930 kantonsweise auf — kein Verbot, sondern kantonale Schulbeschlüsse. Die Sütterlin wurde hier nie eingeführt.
- Liechtenstein — Im Alltag bis ins 20. Jahrhundert üblich; die Schule stellte 1935 von sich aus auf die lateinische Schrift um — noch vor dem deutschen Erlass.
Quellen: Wikipedia: Deutsche Kurrentschrift · Wikipedia: Ausgangsschrift · Zentralbibliothek Zürich: „Keine Angst vor alten Schriften“ (PDF) · Historisches Lexikon Liechtenstein: Schrift
Warum wir heute nicht mehr so schreiben
Die Kurrent und die Sütterlin verschwanden nicht allmählich, sondern fast auf einen Schlag: Ein Rundschreiben Martin Bormanns vom 3. Januar 1941 — der sogenannte Normalschrifterlass, obwohl er von einer Parteidienststelle kam und nicht aus der Reichskanzlei — beendete die gebrochenen Druckschriften; ein Erlass des Reichserziehungsministeriums untersagte zum 1. September 1941, die Kurrent in der Schule zu lehren. Ab dem Schuljahr 1941/42 lernten alle Kinder nur noch die lateinische „Deutsche Normalschrift“.
Begründet wurde das Verbot mit der Behauptung, die gebrochenen Schriften seien „Schwabacher Judenlettern“ — eine erfundene, sachlich falsche Propaganda. Als sachlichen Grund nannte der Chef der Reichskanzlei bei der Weiterleitung des Rundschreibens dagegen, dass Ausländer die eckige deutsche Schrift meist nicht lesen könnten.
Die Folge: Wer ab 1941/42 eingeschult wurde, lernte die alte Schrift gar nicht mehr. Innerhalb einer einzigen Generation wurde aus einer Alltagsschrift eine, die heute nur noch wenige lesen können — deshalb wirkt ein alter Brief oft wie eine Geheimschrift.
Quellen: Wikipedia: Normalschrifterlass · Wikipedia: Antiqua-Fraktur-Streit · Wikipedia: Sütterlinschrift
Federn & Striche
Jede der drei Schriften gehört zu ihrer Feder — das Werkzeug entscheidet, ob und wie der Strich an- und abschwillt.
Spitzfeder
Elastische Metallspitze. Die Strichstärke kommt aus dem Druck, nicht aus der Richtung: leichte Aufstriche bleiben dünn, kräftige Abstriche werden dick (Schwellzug). Sie prägt die Kurrent des 19. Jahrhunderts.
Gleichzugfeder
Kugelspitzfeder (kugeliger Kopf) oder Redisfeder (runde Schreibplatte). Sie hält überall dieselbe Strichstärke — ganz ohne Druckwechsel. Drucklos und kindgerecht: die Feder der Sütterlin. Mit ihr verbreitete sich die Sütterlinschrift ab 1915 von Preußen aus; um 1930 war sie in den meisten deutschen Ländern Schulschrift.
Bandzugfeder
Breite, flache Schreibkante (auch Breitfeder). Die Strichstärke wechselt mit der Richtung — am breitesten quer zur Kante, am feinsten längs. Bei der Offenbacher wird die Kante in 15–20° zur Schreiblinie geführt.
Quellen: Wikipedia: Schreibfeder · Wikipedia: Redisfeder
Tinte & Papier
Womit und worauf geschrieben wurde — und warum alte Schrift heute oft blass und braun aussieht.
- Eisengallustinte — Die wichtigste Tinte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Frisch geschrieben ist sie blass; das tiefe Schwarz bildet sich erst beim Trocknen an der Luft. Ein blauer Hilfsfarbstoff machte sie zunächst sichtbar („blauschwarz“) und verblasst später — gealtert erscheint die Schrift braun.
- Tintenfraß — Aus dem Eisenvitriol der Tinte entsteht mit der Luftfeuchte Schwefelsäure. Sie zerfrisst das Papier genau dort, wo die Schrift steht, und schwächt den Kontrast.
- Papier & Tafel — Geschrieben wurde auf reißfestem Hadernpapier, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auf vergilbendem Holzschliffpapier. Das Schreiben lernte man auf der Schiefertafel und im vierlinigen Schönschreibheft.
Quellen: Wikipedia: Eisengallustinte · Kunsthalle Karlsruhe: Glossar Eisengallustinte · Wikipedia: Hadernpapier · Wikipedia: Schiefertafel
Buchstaben-Besonderheiten
Ein paar Eigenheiten, an denen die deutsche Schreibschrift zu erkennen ist — und über die jeder Leseanfänger stolpert.
Die Schriftproben daneben schreibt die Feder live aus der Sütterlin-Ausgangsschrift von 1922; der Antiqua-Buchstabe darunter benennt jede Form, ein Klick schreibt sie noch einmal.
- Langes ſ und rundes s — Das lange ſ steht am Silbenanfang und im Silbeninneren, das runde s nur am Silbenende: leſen, aber das. Vom f unterscheiden es zwei Dinge: Das f trägt oben eine Schleife, das ſ läuft oben spitz zu — und nur das f hat in der Mitte den Querstrich. Eine häufige Lesefalle. (Schriftprobe auf der Webseite, live geschrieben: ſ · s · f)
- Der u-Bogen — Klein-u und Klein-n sind formgleich. Damit man sie auseinanderhält, trägt das u einen kleinen Bogen über sich. (Schriftprobe auf der Webseite, live geschrieben: u · n)
- Das e und die Umlaute — Das Kurrent-e hat eine eigene, an ein n erinnernde Form. Aus dem klein übergeschriebenen e sind die heutigen Pünktchen über ä, ö, ü entstanden. (Schriftprobe auf der Webseite, live geschrieben: e · n · ä)
- Das ß — Das Eszett ist historisch eine Ligatur aus langem ſ und z (ſʒ) — die Deutung als ſ+s stammt aus der Antiqua-Tradition. (Schriftprobe auf der Webseite, live geschrieben: ſ · z · ß)
- Reduplikationsstrich — Ein gerader Strich über n oder m verdoppelt den Buchstaben: n̄ steht für nn. Weil auch das u ein Zeichen über sich trägt, geraten die beiden leicht durcheinander — „wenn“ liest sich beim ersten Blick gern als „weu“. Der Unterschied liegt in der Form: Der Verdopplungsstrich ist gerade, der u-Bogen ist gebogen.
Quellen: Wikipedia: Deutsche Kurrentschrift · Wikipedia: Langes s
Ohne JavaScript, für jeden Client: Die offene Lese-API schreibt jedes Wort als SVG-Bild auf der Lineatur — https://api.kurrentschrift.ink/sources/suetterlin-1922/write/word.svg?text=lesen — der Wert von text ist frei (bis 160 Zeichen), statt „lesen“ also jedes andere Wort. Alle Abrufwege (Quellen, Buchstaben einzeln, Geometrie, Original-Ausschnitte): https://kurrentschrift.ink/llms.txt und Buchstaben für Maschinen.
Einen alten Brief entziffern
Kein Buchstabe muss auf Anhieb lesbar sein — Entziffern ist ein Handwerk mit Reihenfolge. So gehst du vor:
- Anker zuerst — Suche als Erstes Namen, Orte, Daten und Zahlen. Sie ändern sich nicht mit der Sprache, sind oft schon aus dem Zusammenhang bekannt — und verankern den Rest des Textes.
- Feste Formeln nutzen — Briefe folgen Mustern: Anrede und Schluss („ergebenst“, „Deine dich liebende …“) oder Amtsformeln kehren wörtlich wieder. Wer die Formel erkennt, gewinnt eine ganze Reihe gesicherter Buchstaben auf einmal.
- Tafel daneben legen — Lege eine Buchstabentafel neben den Brief und vergleiche Wort für Wort — erst die sicheren Buchstaben, dann die Lücken dazwischen.
- Die klassischen Fallen — f und langes ſ: Das f trägt oben eine Schleife und in der Mitte den Querstrich, das ſ läuft spitz zu; n und u sind formgleich — das u trägt zur Unterscheidung seinen Bogen; und das Kurrent-e sieht einem n zum Verwechseln ähnlich.
- Überspringen erlaubt — Bleibt ein Wort stumm, lies einfach weiter — der Zusammenhang löst es später fast immer. Was sich gar nicht fügen will, markierst du und kehrst mit frischem Auge zurück.
Die Buchstabentafel dazu liegt gleich hier: die Schreibtafel zeigt die Vorlagen Buchstabe für Buchstabe — zum Vergleichen und Nachschlagen.
Zahlen & Zeichen
Was in alten Dokumenten neben den Buchstaben steht.
- Ziffern — Es gibt kein eigenes Kurrent-Ziffernsystem. Geschrieben wurden die gewöhnlichen arabischen Ziffern 0–9, in der geneigten Handschriftform der Zeit.
- Geldzeichen — Der Pfennig ist ein geschriebenes d mit Abschwung (₰, von lat. denarius), die Mark erscheint als „Mk“ oder ℳ — die Kürzel alter Rechnungen.
- Kürzungen — Ein waagrechter Strich über einem Buchstaben (Nasalstrich) ergänzt oder verdoppelt ein m oder n; „ꝛc.“ stand für „etc.“. Solche Kürzungen waren in Handschriften gebräuchlich.
Quellen: Staatsbibliothek zu Berlin: Kurrent-Alphabetblatt (PDF) · Wikipedia: Pfennig (₰) · Wikipedia: Mark (1871) · Wikipedia: Nasalstrich · Wikipedia: R rotunda
Chronologie
- 13.–16. Jh. — Aus der gotischen Kursive entsteht über die Kanzleibastarda die deutsche Kurrent.
- 1714 — Preußen führt mit den Vorlagen von Hilmar Curas die erste Normschrift für den Schreibunterricht ein.
- 19. Jh. — Die metallene Spitzfeder lässt die Kurrent stärker nach rechts neigen — die Schulvorschriften streuen weit, von 45° bis 75°.
- um 1900 — Die klassische Kurrent steht auf der Lineatur 2 : 1 : 2 und einer Schräglage von 60–70°.
- 1911 — Ludwig Sütterlin entwirft im preußischen Auftrag seine bewusst aufrechte Ausgangsschrift.
- 1915 — Einführung der Sütterlinschrift in Preußen, zunächst probeweise; in den Folgejahren verbindlich (die Quellen nennen leicht abweichende Jahre).
- 1927 — Rudolf Koch entwirft die Offenbacher Schrift als künstlerischen Gegenentwurf.
- 1935 — Eine modifizierte Sütterlin wird als „Deutsche Volksschrift“ Bestandteil des Schulunterrichts.
- 1941 — Lehrverbot der Kurrentschriften zum 1. September; ab 1941/42 gilt die lateinische „Deutsche Normalschrift“.
- nach 1945 — Vereinzelt als Zweitschrift wiederbelebt (etwa Koch-Hermersdorf in Bayern), ohne dauerhaften Erfolg.
Im deutschen Sprachraum verlief das Ende verschieden: Österreich lehrte bis 1938/39 die traditionelle Kurrent (nicht die Sütterlin), die Schweiz gab sie zwischen 1890 und 1930 kantonsweise auf.
Quellen: ad fontes (Univ. Zürich): Bastarda und gotische Kursive · Schulmuseum Ottweiler: Vorschriften & Musterbücher · Wikipedia: Deutsche Kurrentschrift · Wikipedia: Sütterlinschrift · Wikipedia: Offenbacher Schrift · Wikipedia: Ausgangsschrift · Wikipedia: Normalschrifterlass
Quellen
Jede Angabe auf dieser Seite ist belegt. Die Fakten stützen sich auf paläographische und archivische Quellen — ein Universitäts-Tutorium (ad fontes, Univ. Zürich), Schulmuseen und Archive, Museen, das Lehrbuch von Süß sowie die gemeinfreien Originaltafeln. Die Wikipedia-Artikel sind der frei zugängliche Überblick dazu, nicht die Grundlage. Die ausführlichen Faktenblätter mit Einzelnachweisen liegen im offenen GitHub-Repository des Projekts (docs/schriftkunde) — der Link steht unten im Seitenfuß.
Wissenschaft, Archive & Museen
- ad fontes (Univ. Zürich): Bastarda und gotische Kursive
- ad fontes (Univ. Zürich): Deutsche Kurrentschrift
- Schulmuseum Ottweiler: Vorschriften & Musterbücher
- Zentralbibliothek Zürich: „Keine Angst vor alten Schriften“ (PDF)
- Historisches Lexikon Liechtenstein: Schrift
- Klingspor-Museum Offenbach: Rudolf Koch
- Kunsthalle Karlsruhe: Glossar Eisengallustinte
- Staatsbibliothek zu Berlin: Kurrent-Alphabetblatt (PDF)
- Rudolf Koch: Die Offenbacher Schrift (1928), Wikimedia Commons (gemeinfrei)
- Harald Süß: Deutsche Schreibschrift (DNB-Katalog)
Wikipedia (Überblicksartikel)
- Wikipedia: Deutsche Kurrentschrift
- Wikipedia: Sütterlinschrift
- Wikipedia: Offenbacher Schrift
- Wikipedia: Lineatur
- Wikipedia: Schreibschrift
- Wikipedia: Schreibfeder
- Wikipedia: Redisfeder
- Wikipedia: Eisengallustinte
- Wikipedia: Langes s
- Wikipedia: Englische Schreibschrift
- Wikipedia: Lateinische Ausgangsschrift
- Wikipedia: Fraktur
- Wikipedia: Ausgangsschrift
- Wikipedia: Normalschrifterlass
- Wikipedia: Antiqua-Fraktur-Streit
- Wikipedia: Nasalstrich
- Wikipedia: R rotunda
- Wikipedia: Pfennig (₰)
- Wikipedia: Mark (1871)
- Wikipedia: Hadernpapier
- Wikipedia: Schiefertafel
Als gemeinfreie Originaltafeln arbeitet das Projekt mit der Loth-Tafel 1866 (Kurrent), der Sütterlin-Ausgangsschrift von 1922 und der Offenbacher-Tafel von Rudolf Koch (1928).
Weiterlernen
Wer die deutsche Schreibschrift nicht nur betrachten, sondern wirklich lesen und schreiben lernen möchte, dem sei Harald Süß’ „Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen“ ans Herz gelegt — das Lehrbuch, aus dem auch der Autor dieses Projekts die Kurrent gelernt hat. Hier geht es bewusst nur um den Überblick; die Tiefe steht dort.
Zum kostenlosen Lesen- und Schreibenlernen gibt es im Netz mehrere gute Anlaufstellen:
- M. Mücke: Kurrent lesen und schreiben lernen
- ad fontes (Univ. Zürich): alte Schriften lesen lernen
- Bund für deutsche Schrift und Sprache: Leseübungen
- kurrentschrift.net: Übungsblätter zum Schreiben
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